Standesamt, Kirche oder freie Trauung? Was sind eigentlich die Unterschiede?

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Es gibt ganz viele wunderschöne und verschiedene Möglichkeiten, den schönsten Tag des Lebens zu gestalten.

Manche Brautpaare wissen gleich: Ein kirchliche Trauung muss es sein! Einigen Brautpaaren reicht auch eine kleine standesamtliche Trauung, im engen Kreis der Angehörigen. Und dann wiederum gibt es Paare, die wünschen sich etwas ganz persönliches und individuelles, eine freie Trauzeremonie.

So einzigartig wie jedes Brautpaar ist so individuell muss auch entschieden werden, welche Trauart sich am besten für das Paar eignet.

Als freier Trauredner ist es unheimlich wichtig die Unterschiede der verschiedenen Trauarten, sowie die Vor- und Nachteile zu kennen, um eure Brautpaare bestmöglich beraten zu können.

Im folgenden Beitrag möchten wir euch daher den Unterschied, die Besonderheiten sowie die Vor- und Nachteile zwischen einer Standesamtlichen- einer Kirchlichen und einer freien Trauung noch einmal verdeutlichen.

Die Trauung im Standesamt:

Die standesamtliche Trauung ist einfach gesagt der bürokratische Akt, um per Gesetzt verheiratet zu sein. Wer offiziell verheiratet sein möchte, kommt um eine standesamtliche Trauung somit nicht drumherum. Oftmals ist eine standesamtliche Trauung jedoch sehr „nüchtern“ und wenig romantisch. Es werden die Personaldaten des Paares und der Trauzeugen, die Adressen und Geburtsstätten sowie verschiedene Auszüge aus Registern und andere für den Standesbeamten relevanten Informationen sachlich vorgelesen und bestätigt. Die Emotion bleibt hier oft auf der Strecke. Viele Standesbeamten geben sich zwar Mühe einen kleinen Teil der Trauzeremonie persönlich und individuell zu gestalten, da eine standesamtliche Trauung für gewöhnlich jedoch nicht länger als 20 Minuten dauert, bevor das nächste Paar vor der Türe steht um sich das Ja-Wort zu geben, ist sowohl der zeitliche Rahmen als auch die individuelle Gestaltung der Trauung nur begrenzt möglich.

Mittlerweile gibt es die sogenannte Ambiente Trauung. Eine Trauart, die ebenfalls den offiziellen standesamtlichen Akt vollzieht, jedoch an etwas schöneren Orten als dem Rathaus oder Standesamt umgesetzt werden kann. Fast jede Stadt bietet mittlerweile Ambiente Trauorte an, an denen der Standesbeamte nicht nur mehr Zeit für eine umfangreichere Trauzeremonie hat, sondern die eben auch eine etwas außergewöhnliche Atmosphäre bieten. Im Bergischen Land beispielsweise kann man sich offiziell im Werkzeug Museum, in der Schwebebahn oder auch auf der Sternwarte trauen lassen. Dennoch bleibt die standesamtliche Trauung ein bürokratischer Akt, bei dem die Unterschriften im Vordergrund stehen.

Aus diesem Grund wünschen sich viele Brautpaare neben der standesamtlichen Trauung eine feierliche Trauzeremonie, wo es um die Geschichte des Paares und den gemeinsamen Weg geht. Wo die traditionellen Elemente, wie ein schöner Brauteinzug mit dem Vater, ein langes weißes Prinzessinnen Kleid, ein ganz persönliches Eheversprechen und natürlich der Brautkuss nicht nur einen Platz, sondern eben auch eine wirkliche Bedeutung bekommen.

Zur Auswahl stehen hier in erster Linie die kirchliche oder die freie Trauung.

Was genau der Unterschied zwischen einer kirchlichen und einer freien Trauung ist, möchte ich euch an Hand der folgenden 5 Punkte erklären.

Der Ort:

Kirchliche Trauung:

Die kirchliche Trauung findet, wie der Name schon sagt, häufig in einer Kirche statt.
Es gibt zwar auch freie Theologen die euch ebenfalls mit einem kirchlichen Hintergrund an einem anderen Ort trauen können, in erster Linie sind kirchliche Trauungen aber eben auch in der Kirche. Ob es eine katholische oder evangelische Kirche ist hängt von der Konfession ab. Sollte das Brautpaar unterschiedliche Konfessionen haben, ist auch eine Mischform möglich.
Nach der kirchlichen Trauung findet häufig die Gratulation vor der Kirche statt, bevor sich das Brautpaar gemeinsam mit der Hochzeitsgesellschaft auf den Weg zur Feierlocation macht.

Die freie Trauung:
Bei einer freien Trauung sind die Paare völlig frei in der Wahl des Ortes. Viele Brautpaare entscheiden sich ihre freie Trauung bereits in der Location, wo die anschließende Feier stattfinden wird, zu halten. Da freie Trauungen immer beliebter werden, sind viele Hochzeitslocations darauf vorbereitet und stellen zusätzliche Räume oder einen schönen Außenbereich, eine Terrasse oder Wiese, für die freie Trauung zur Verfügung.
In diesem Fall müssen Brautpaar und Gäste zwischen Trauung und Feier den Ort nicht mehr wechseln. Andere Brautpaare entscheiden sich auch einen speziellen Ort für ihre Trauung zu wählen. Beispielsweise in einem Wald, auf einem Feld oder einer Blumenwiese, im heimischen Garten oder auch am Strand. Hier wird dann, ähnlich wie bei der kirchlichen Trauung, nach der Zeremonie noch gratuliert, bevor es in die Feier Location geht.

Der Inhalt: und Ablauf:

Kirchliche Trauung:
Die kirchliche Trauung wird von einem Pastor oder Priester bzw. Theologen gehalten. Der Inhalt und Ablauf einer kirchlichen Trauung ist aber häufig bei beiden Kirchen sehr ähnlich. Es gibt einen Brauteinzug, ein Eröffnungsgebet worauf meist ein Lied folgt. Dann eine Verkündigung / Bekenntnis / Segnung sowie eine Lesung aus der Bibel. Nach einem weiteren Lied folgt ein Trautext und die Predigt, die meist auf den gewählten Trauspruch ausgelegt wird. In diesen Teil fließen dann auch einige persönliche Informationen über das Brautpaar mit in die Zeremonie ein. Nach einem weiteren Lied folgt häufig noch eine Lesung aus der Bibel zum Thema Ehe, bevor es zum Traubekenntnis und Ringtausch kommt. Im Anschluss folgen die Segnung und ein weiteres Lied. Im letzten Teil der Trauung werden oft durch die Angehörigen noch Fürbitten gesprochen bevor gemeinsam das Vater unser gebetet wird. In der Katholischen Kirche folgt dann noch die Gabenbereitung und das Hochgebet, bevor das Brautpaar gemeinsam auszieht.

Freie Trauung:
Die freie Trauung wird von einem freien Trauredner oder einem Theologen gehalten.
Bei einer freien Trauung ist ein Ablauf gar nicht so genau zu beschreiben, denn jeder Redner baut die Rede genau so auf, wie sie am besten zu dem Brautpaar passt. Wie viele Lieder es gibt, welche Rituale das Brautpaar wünscht und was eben der genaue Inhalt ist, bespricht der freie Redner mit dem Brautpaar im Traugespräch. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass die meisten Paare sich die „traditionellen“ Elemente sowie einen „traditionellen“ Ablauf wünschen. Demnach folgen  oft der Brauteinzug mit einem persönlichen Lied, eine Begrüßung die auf den ersten Teil der Rede überleitet. In diesem Teil geht es häufig um die gemeinsame Geschichte des Brautpaares, vom Kennenlernen bis zum heutigen Tag. In diesen

Teil der Rede werden manchmal schon ganz persönliche Rituale oder eben auch ein Trauspruch eingearbeitet, für welchen sich das Brautpaar im Vorfeld entschieden hat. Diese Rituale und Trausprüche haben jedoch normalerweise keinen christlichen Hintergrund, sondern symbolisieren die Verbundenheit des Brautpaares auf eine besondere Weise. Die gemeinsame Geschichte geht dann in die Ankündigung des Eheversprechens über, was bei einer freien Trauung auf verschiedene Arten vollzogen werden kann. Durch die klassische „Ja-Frage“, durch ein ausformuliertes Eheversprechen oder eben auch durch ein eigenformuliertes, ganz persönliches, Eheversprechen, was Braut und Bräutigam sich gegenseitig vortragen. Auch hier folgen der Ringwechsel und Kuss, häufig wird an dieser Stelle ein Lied eingespielt. Es gibt freie Trauungen, die an dieser Stelle enden. Andere freie Trauungen haben noch einen zweiten Teil der, ähnlich wie in der Kirche, die Angehörigen mit einbindet. Auch hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten: Persönlich formulierte Fürbitten, kleine Rituale und Wunschübergaben. Es folgt ein Abschlusswort und der Auszug, welcher ebenfalls ganz individuell gestaltet werden kann.
Wichtig: Freie Trauung bedeutet nicht, dass sie im Freien stattfinden muss. Viel mehr sind die Brautpaare in allen Entscheidungen bezüglich des Ablaufes und Inhaltes völlig frei. Es muss keinen Ringwechsel, kein Eheversprechen und auch keinen klassischen Einzug geben! Alles kann – nichts Muss!

Die Gestaltungsmöglichkeit:

Die kirchliche Trauung:
Während die evangelische Kirche immer offener gegenüber der Gestaltungsmöglichkeiten für eine Trauzeremonie wird, ist die katholische Kirche häufig noch recht konservativ unterwegs. So kann der oben genannte „generelle“ Ablauf eigentlich bei beiden Kirchen nur begrenzt geändert werden. Bei der Anzahl der Lieder und ob diese von einem Organisten, Live Sänger oder von Band gespielt werden, sind zwar beide Kirchen relativ offen, allerdings nicht unbedingt bei der Wahl der Lieder. So wünschen sich die Kirchen natürlich Lieder mit christlichem Hintergrund, die am besten auch mitgesungen werden können. Wer da seinen Lieblingssong aus den Charts spielen möchte, muss manchmal in harte Verhandlungen treten. Auch beim Brauteinzug entstehen schon häufig Schwierigkeiten. Während die Braut sich einen klassischen Einzug mit ihrem Vater wünscht, ist das bei Kirchen heutzutage häufig gar nicht mehr so gerne gesehen. Die „Übergabe“ der Braut vom Vater an den Mann wird als „Besitzübergabe“ gedeutet und ist in der heutigen Zeit, in der die Emanzipation eine wichtige Rolle spielt, fragwürdig. So folgt häufig ein Einzug, bei welchem der Pastor oder Priester vorne ran läuft und das Brautpaar gemeinsam hinterher zieht.
Den Trauspruch dürfen die Paare selbst wählen.. Dieser sollte jedoch möglichst ein Vers aus der Bibel sein, auf welchen die Predigt dann auch ausgerichtet werden kann. Beim Eheversprechen die Paare bei einer kirchlichen Trauung häufig die Wahl zwischen dem klassischen „Ja-Wort“ oder einem ausformulierten Eheversprechen. Letzteres basiert darauf, dass das Paar dem Pastor / Priester das Eheversprechen in ausformulierten Sätzen nachspricht.
Das Vortragen von Fürbitten durch die Angehörigen wird bei beiden Kirchen gerne gesehen und mit eingebunden. Der Pastor / Priester stellt hierfür entweder Fürbitten zur Verfügung, häufig dürfen die Angehörigen aber auch ihre eigenen Fürbitten schreiben.

Die freie Trauung:
Um es kurz zu machen: Auch hier ist das Brautpaar in allen Entscheidungen völlig frei. Vom Brauteinzug: allein, mit dem Vater, mit Brautjungfern, Blumenkinder oder zusammen mit dem zukünftigen Ehemann. Bei der Musikwahl: Wie viele Lieder es gibt, welche Lieder gespielt werden, ob diese von Band kommen oder Live gesungen werden. Beim Inhalt: Ob es einen Trauspruch gibt, welche Form des Ehegelübdes gewünscht ist, ob es einen Ringwechsel und Brautkuss gibt. Das Brautpaar darf entscheiden ob es Rituale gibt und ob Herzensmenschen eingebunden werden. Und letztendlich dürfen sie auch entscheiden wie sie ausziehen möchten.

 

 

Rituale und Einbindung von Angehörigen:

Kirchliche Trauung:

Auch bei einer kirchlichen Trauung sind Rituale und die Einbindung von Angehörigen möglich.
Beispielsweise das Anzünden der Traukerze, gemeinsam mit der Familie, ist ein schönes Ritual, was man häufig in der Kirche findet. Der Ringtausch ist ebenfalls ein Ritual und auch in der Kirche dürfen die Ringe von Kindern oder anderen wichtigen Menschen nach vorne gebracht werden. Das Sprechen von Fürbitten durch die engsten Angehörigen ist ebenfalls ein Ritual, was die Einbindung der wichtigsten Menschen ermöglicht.

Die freie Trauung:
Eigentlich kann man sagen, dass die freie Trauung ein Stück weit von Ritualen und der Einbindung der Herzensmenschen lebt. Auch hier ist das Anzünden einer Traukerze mit den Angehörigen oder das sprechen von Fürbitten (allerdings ohne christlichen Hintergrund, basierend auf eigenformulierten Wünschen an das Brautpaar) eine mögliche Variante. Viel mehr lebt die freie Trauung aber von Ritualen, die ganz individuell auf das Brautpaar und deren gemeinsamen Weg abgestimmt werden. Um ein Ritual zu entwickeln kann man auf gemeinsame Hobbys und Leidenschaften, Berufe oder eben auch gemeinsame oder gegensätzliche Charaktereigenschaften eingehen. Kleine Geschichten und Anekdoten der Angehörigen werden häufig mit in die Rede eingebunden oder von den Personen selbst vorgetragen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, auch eine ganze Hochzeitsgesellschaft mit einzubinden. Sei es durch das beliebte „Ringe wandern lassen“ oder einfach das Ausfüllen von Wunschkarten, die während der Trauzeremonie an Ballons in den Himmel steigen. Die Liste an Ritualen und Möglichkeiten um Menschen mit in die Trauzeremonie einzubinden ist unendlich lang. Und warum? Weil man eine Trauzeremonie auf diese Weise noch individueller, persönlicher, emotionaler und schöner gestalten kann!

Mehr Informationen wie ihr als Trauredner Rituale in die Zeremonie einbinden könnt, findet ihr hier – Kreativworkshop Rituale

Vor- und Nachteile:

Kirchliche Trauung:
Wer einen Bezug zur Kirche hat, vielleicht sogar einen Pfarrer oder Priester kennt, der einen selbst schon sein Leben lang begleitet, für den ist eine kirchliche Trauung eine tolle Option. Auch für Paare die vielleicht gar nicht so viel über sich selbst und die persönliche Geschichte preisgeben möchten, eignet sich eine kirchliche Trauung. Ein Nachteil ist sicherlich die geringe Entscheidungsfreiheit beim Ablauf und der generellen Gestaltung der Trauzeremonie. Ein klarer Vorteil der kirchlichen Trauung ist jedoch der Kostenfaktor. Wenn Brautpaare Mitglieder der Kirche sind, ist die Trauung und der Trauort (Die Kirche) häufig gegen eine kleine freiwillige Spende so gut wie „kostenlos“.

Freie Trauung:
Eine freie Trauung eignet sich für alle Paare, die nicht kirchlich heiraten möchten oder es nicht dürfen. Bei der freien Trauung sind die Paare in allen Entscheidung völlig frei und können die Trauzeremonie ganz nach eigenen Vorstellungen gestalten. Das Paar und die gemeinsame Geschichte stehen im Mittelpunkt. So wird die Trauzeremonie ganz persönlich und unvergesslich. Verschiedene Rituale und das Einbinden von Personen ist ein besonderes Highlight, woran sich Paare und Gäste immer noch lange erinnern. Ein Nachteil der freien Trauung ist der Kostenfaktor. Sowohl ein freier Redner als auch die Location, wo die Trauung stattfindet, kosten Geld.

 

Titelbild: via unplash/micheile-henderson-gnm2op0m2pw-unsplash

Bild Ringübergabe: jane-weber.com